Aussehen
Implementierung
Ohne KI oder mit KI
Definition: Weg
Der Weg legt fest, wie ein Arbeitspaket entsteht: ohne KI (ihr macht alles selbst) oder mit KI (die KI erzeugt das Ergebnis, ihr beschreibt, prüft und lenkt).
Das Team legt den Weg für jedes Arbeitspaket einzeln fest. Drei Fragen helfen dabei:
Nach Aleksandr Tiulkanov, Is it safe to use ChatGPT for your task? (19.1.2023), CC BY, ins Deutsche übertragen.
In einem Schulprojekt hängt meist nichts davon ab, ob das Ergebnis stimmt: Dann ist KI unbedenklich, auch Vibe-Coding (siehe unten). Sobald Daten von Personen im Spiel sind, ist es wichtig, und ihr müsst prüfen können, was die KI baut.
Ohne KI
- Klein anfangen. Zuerst läuft das Kleinste, zum Beispiel ein leeres Fenster. Starte nach jeder Änderung, nicht erst nach hundert Zeilen, dann weißt du, welche Änderung etwas kaputt gemacht hat.
- Fehlermeldungen lesen. Meistens steht dort schon, wo das Problem liegt.
- Eine Zeitgrenze setzen. Hängst du länger als etwa 15 Minuten an derselben Stelle, hol dir Hilfe.
- Das Warum kommentieren. Der Quelltext zeigt, was passiert, ein Kommentar sagt, warum.
Mit KI
Es gibt zwei Arten, mit KI zu programmieren:
Definition: Vibe-Coding
Beim Vibe-Coding liest du den Quelltext der KI nicht. Das Programm ist für dich eine Black Box, du prüfst nur, ob es sich richtig verhält.
Definition: KI-gestütztes Programmieren
Beim KI-gestützten Programmieren schreibt die KI auf, was du auch selbst geschrieben hättest. Du verstehst den Quelltext, das Programm ist keine Black Box.
Eine KI hat kein Weltmodell, sie ergänzt Wörter nach Mustern. Bei einem Menschen lässt sich von einer gelösten Aufgabe ungefähr auf das Niveau schließen: Wer Schwieriges kann, kann meist auch Einfacheres. Bei einer KI ist das anders: Sie zaubert überraschend gute Lösungen und scheitert im nächsten Moment an einem scheinbar einfachen Problem.
Deshalb kann es sinnvoll sein, den Quelltext grundsätzlich auch selbst zu kennen.
Der Ablauf
- Anforderungen übergeben. Alles, was du in der Phase Anforderungen aufgeschrieben hast, geht an die KI. Sie stellt Rückfragen, bis nichts mehr unklar ist.
- Den Entwurf schreiben lassen. Sprache, Frameworks und der Aufbau des Programms stehen fest oder die KI schlägt sie vor. Sag der KI auch, wie sie schreiben soll: so, dass du den Quelltext als Anfänger:in nachvollziehen kannst. Bei Oberflächen lässt du dir gern ein Mockup zeigen. Hier wird noch nichts implementiert.
- Den Plan prüfen und freigeben. Du liest den Entwurf, korrigierst ihn und gibst ihn zur Implementierung frei.
- Implementieren lassen. Erst jetzt schreibt die KI den Quelltext und testet ihn selbst.
- Testen und Probleme zurückgeben. Du testest und gibst Probleme an die KI zurück, mit der vollständigen Fehlermeldung.
text
Ich baue ein Spiel: Eine Schnecke kriecht über den Bildschirm und frisst Salatblätter.
Anforderungen: Die Schnecke läuft mit den Pfeiltasten. Sie bleibt im Fenster.
Pro Salatblatt gibt es einen Punkt, nach zehn Punkten ist das Spiel gewonnen.
Entwurf: Python mit Pygame Zero. Die Spiellogik liegt in spielkern.py, ohne
Pygame, die Anzeige in spiel.py.
Stil: Schreibe den Quelltext so, dass ich ihn als Anfänger nachvollziehen kann,
mit deutschen Namen und kurzen Kommentaren.
Vorgehen: Stell mir Rückfragen, wenn etwas unklar ist. Zeig mir dann zuerst
deinen Plan, noch ohne Code und entwirf ein Mockup.Dem Programm nicht im Weg stehen
Damit ihr nicht alles selbst testen müsst, muss das Programm testbar sein. Die KI soll sich schon am Anfang überlegen, wie sie es selbst testen kann:
- Spiel: Der Spielkern mit der eigentlichen Spiellogik ist von der Anzeige entkoppelt und lässt sich ohne Anzeige testen.
- Webseite: Backend und Frontend lassen sich einzeln testen.
- Aussehen: Moderne KI-Systeme können Bilder sehen. Sie erstellen selbst Screenshots und prüfen, ob das Layout stimmt.
Werkzeuge
Die KI arbeitet in eurer Entwicklungsumgebung: entweder ein eigenes Werkzeug wie OpenCode oder Claude Code, oder ein passendes Plugin in Visual Studio Code.
Vom Lokalen zum Kommerziellen:
- Ollama (lokal): führt Modelle auf dem eigenen Rechner aus, die Daten verlassen den Rechner nicht. Open-Source-Werkzeuge können damit arbeiten.
- OpenCode (Open Source): ein eigenes Werkzeug, das Modell wählt ihr selbst.
- Cline (Open Source): ein Plugin für Visual Studio Code.
- Continue (Open Source): ein Plugin für Visual Studio Code.
- Claude Code (kommerziell): ein eigenes Werkzeug, die Daten werden beim Anbieter verarbeitet.
Datenschutz
Gebt keine personenbezogenen Daten (Namen, Fotos, Noten, Klassenlisten) in KI-Dienste ein. Sie werden beim Anbieter verarbeitet.
Das Kontextfenster
Die KI sieht bei jeder Antwort nur einen Ausschnitt, das Kontextfenster: alles, was bisher im Chat steht, und die Dateien, die sie gelesen hat. Ist es sehr voll, werden die Antworten schlechter. Moderne Werkzeuge fassen den alten Verlauf deshalb selbst zusammen. Regeln und Stand gehören trotzdem in Dateien im Projekt, die das Werkzeug bei jedem Start liest, zum Beispiel AGENTS.md für die Regeln (Ziel, Sprache, wie man startet und testet) und eine Datei für den Stand (was fertig und was offen ist).
Quellen: Anthropic, Best practices for Claude Code; Chroma, Context Rot (2025).
Zusammenarbeit im Team
Project-Board
Das Project-Board (auch Kanban-Board genannt) zeigt, wer woran arbeitet. Es hat die Spalten Zu tun, In Arbeit und Fertig. Jedes Arbeitspaket ist ein Zettel mit dem Namen der verantwortlichen Person. Pro Person ist nur ein Arbeitspaket gleichzeitig in Arbeit. Das Board gibt es am Rechner und analog.
Am Rechner
Ein Kanban-Board im Browser gibt es zum Beispiel bei CryptPad:
https://cryptpad.fr/kanban/Zu tun
Menü bauen
Jonas
Jonas
Punkte zählen
Ayla
Ayla
In Arbeit
Schnecke bewegen
Mia
Mia
Fertig
Fenster öffnen
Mia
Mia
Analog
An einer Wand oder Tafel klebt ihr drei Spalten mit Klebeband auf. Jedes Arbeitspaket ist eine Haftnotiz, die ihr beim Weiterarbeiten in die nächste Spalte schiebt.

Stand-up
Zu Beginn der Arbeitsphase treffen sich alle kurz im Stehen, damit es schnell vorbeigeht. Jede Person sagt: Was habe ich geschafft, was mache ich jetzt, wobei hänge ich? Erst wenn alles besprochen ist, darf man sich wieder hinsetzen und die Entscheidungen notieren.

Pair-Programming
Zwei Personen arbeiten an einem Rechner. Eine tippt (Driver), die andere liest mit, denkt voraus und bemerkt Fehler (Navigator). Die Rollen wechseln regelmäßig, zum Beispiel alle zehn Minuten.
Das geht auch mit KI: Die KI schreibt (Driver), du bist Navigator, liest mit, denkst voraus und prüfst. Schreibe auch selbst Teile, damit du den Quelltext verstehst.

Versionsverwaltung
Wenn etwas kaputtgeht, braucht ihr einen alten Stand, zu dem ihr zurückkönnt. Das gilt besonders, wenn eine KI Dateien ändert. Es gibt zwei Möglichkeiten.
Ordner kopieren
Kopiere den Projektordner, bevor die KI loslegt. Das ist die einfachste Sicherung, damit ihr nicht traurig seid.
Git
Git ist eine Versionsverwaltung. Sie speichert Schnappschüsse des Projekts, die Commits, mit Nachricht, Autor:in und Zeit. Der Projektordner mit seinem ganzen Verlauf heißt Repository. Eine Kopie liegt auf einem Server: Mit git push schiebst du deine Commits dorthin, mit git pull holst du die der anderen.
git status: zeigt, was sich seit dem letzten Commit geändert hatgit add datei: merkt eine Änderung für den nächsten Commit vorgit commit -m "Nachricht": speichert den Schnappschussgit log: zeigt den Verlaufgit pullundgit push: holt fremde Commits vom Server und schiebt eigene hin
Commits und Konflikte
Ein Commit pro erledigtem Arbeitspaket, die Nachricht sagt, was jetzt neu geht. Haben zwei Personen dieselbe Zeile geändert, meldet Git einen Konflikt, und ihr entscheidet gemeinsam, was bleibt. Das passiert seltener bei kleinen Arbeitspaketen und häufigem git pull.
Sicherheit
Sicherheitslücken sieht man einem Programm nicht an, und KI baut sie leicht ein. Darauf kommt es an:
- Eingaben nie vertrauen. Was Nutzer:innen eintippen, kann Schaden anrichten: Ein eingeschleuster Datenbankbefehl (SQL-Injection) liest oder löscht Daten, ein eingeschleustes Skript (XSS) läuft in fremden Browsern. Prüft Eingaben und gebt sie nur geschützt aus (in PHP mit
htmlspecialchars). - Rechte auf dem Server prüfen. Ein ausgeblendeter Knopf schützt nichts: Wer die Adresse kennt, ruft sie trotzdem auf. Ob jemand etwas darf, entscheidet immer der Server.
- Passwörter nie im Klartext speichern. Gespeichert wird nur ein Hash, ein Fingerabdruck, aus dem sich das Passwort nicht zurückrechnen lässt. Nehmt dafür fertige Funktionen.
- Fremde Pakete prüfen. KI erfindet manchmal Paketnamen, die es nicht gibt, und Angreifer legen unter solchen Namen Schadcode ab. Installiert nur Pakete, die ihr auf der offiziellen Seite findet und die viele nutzen.
Geheimnisse
Passwörter, Zugangsschlüssel und Daten von Personen gehören nie ins Repository. Legt sie in eine Datei .env und tragt diese in .gitignore ein, die Git sagt, welche Dateien es nie aufnimmt. Was einmal committet ist, bleibt im Verlauf.